Der Roman und die Stadt

Der Roman und die Stadt

Jeder kennt das: man beginnt einen Roman zu lesen und taucht mit dem Geschehen in die Beschreibung einer Stadt ein. Das kann ein Fantasieort sein, ebenso gut aber auch eine real existierende Kleinstadt oder Metropole. Manchmal verzichtet der Autor auch auf eine Benennung und nähere Beschreibung des Handlungsraums, etwa, weil es ihm nicht darauf ankommt. Das ist aber eher selten. Bei vielen Romanen leben die Protagonisten in der Stadt, der Leser hat Teil an ihrem Leben und im besten Fall entsteht ein intensives Bild der urbanen Umgebung.

Schon mancher „Klassiker“ enthält ein Stadtpanorama

Man denke etwa an Dostojewski: Schuld und Sühne (St. Petersburg), Knut Hamsun: Hunger (Kopenhagen). Bei einigen gibt schon der Buchtitel den Ort des Geschehens an: John Burdett: Bangkok eight ; Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz; Nagib Mahfuz: Die Midaqgasse (Kairo); Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege (Wien).

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Was für die in den letzten Jahren beliebt gewordenen Lokalkrimis gilt, das trifft auch auf zeitgenössische Romane zu: Wer die Orte des Geschehens kennt und sie bei der Lektüre vor dem geistigen Auge wie in einem inneren Film ablaufen lassen kann, hat einen zusätzlichen Genuss. Den Wiedererkennungseffekt. Man kann das Geschehen authentischer nachempfinden, hat den Eindruck, der Inhalt des Gelesenen habe auch in geographischer Hinsicht etwas mit einem selbst zu tun.

Der Roman als Führer durch die Stadt

Wer die Orte noch nicht kennt, für den ist eine solche Lektüre (etwa als Reisevorbereitung) zusätzlich eine Annäherung an die noch unbekannte Stadt. Sie bietet meistens Einsichten, die ein Stadtführer nicht liefern kann, nämlich eine eindrückliche und informative Schilderung der Stadtkulisse, ihrer Bauten, der Verkehrsverhältnisse, des sozialen Lebens ihrer Bewohner, der Traditionen und der Geschichte. Im Idealfall spielt eine Romanhandlung nicht zufällig in einer bestimmten Stadt; vielmehr besteht zwischen dem Ort der Handlung und den handelnden Protagonisten eine innere, gar eine innigliche Beziehung.

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